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Gewaltopfer Christoph Rickels spricht vor Bediensteten und Gefangenen der JVA Meppen

Der Justizvollzug ist auf die Arbeit mit Täterinnen und Tätern ausgerichtet. Er zielt darauf ab, Straftäter zu einem künftigen Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten zu befähigen und die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen. Für den Justizvollzug ist seit einigen Jahren die Hinwendung zur Perspektive der Opfer als neue und immer mehr an Bedeutung gewinnende Aufgabe zu verzeichnen. Der Wunsch, die Bedürfnisse und Interessen der Opfer von Straftaten stärker in den Blick zu nehmen, macht es erforderlich, Kenntnisse von diesen zu haben. Die Chance hierzu hatten unlängst Bedienstete und Inhaftierte der JVA Meppen, durch einen Vortrag von Christoph Rickels, der vor einigen Jahren für 4 Monate ins Koma geschlagen wurde und seither mit einer halbseitigen Lähmung kämpfen muss. Als Gründer der Initiative „first togetherness“ versucht er seitdem aktiv an Schulen, in sozialen Einrichtungen und bei diversen Fernsehauftritten durch seine Geschichte Gewaltfreiheit und Zusammenhalt zu vermitteln.

Rickels folgte einer Einladung der JVA Meppen und berichtete, nachdem er vom stellv. Anstaltsleiter, Bernhard Saalfeld, und der Fachbereichsleiterin Behandlung, Dagmar Bloemen, ganz herzlich begrüßt wurde, vor Bediensteten und Gefangenen über seine bewegende Lebensgeschichte. So berichtete er ausführlich über den einen Augenblick, den einen Schlag, der sein Leben, aber auch das des Täters komplett veränderte. Dabei gab er zu verstehen, dass er früher auch kein „Kind von Traurigkeit“ war. So beschreibt er sich als ehemals sehr sportlich sowie in seinem Umfeld anerkannt und durchaus gefürchtet. Er war „der coole Macker“. Seinen Berufswunsch, in den gehobenen Dienst zur Polizei zu gehen, konnte er sich aufgrund des fehlenden Abiturs nicht erfüllen, woraufhin er sich für eine Karriere als Feldjäger bei der Bundeswehr entschied. Er wollte - seinem Naturell entsprechend - auf keinen Fall Befehlsempfänger sein, sondern „etwas zu sagen haben“. Am folgenschweren Abend seines Niederschlages feierte er seinen Abschied von der Heimat in einer Disco in Aurich, da er in der darauffolgenden Woche, in Bayern, seine Ausbildung bei den Feldjägern beginnen sollte. Von einem eifersüchtigen jungen Mann, dessen Freundin er einen Drink spendierte, wurde Rickels im Eingangsbereich der Disco mit einem Faustschlag gegen die Schläfe niedergestreckt, wie von ihm mitgebrachte Videoaufnahmen erschreckend anschaulich zeigen.

Seit diesem Augenblick hat sich das Leben von Christoph Rickels komplett verändert. Er ist halbseitig gelähmt und zu 80% behindert. Eine absurde Folge des Niederschlags ist, dass er immer wieder unkontrolliert lächeln muss, auch in Situationen, in denen dies absolut unpassend erscheint. Während seines Vortrages hatte er einige Male mit dieser Problematik zu kämpfen und wies mehrfach darauf hin, dass dies kein „echtes“ Lächeln sei. Zudem erzählte er sichtlich erschüttert, dass er nicht mehr weinen könne, was er nur zu gerne einmal wieder hemmungslos machen würde. Eine weitere Folge dieses einen kurzen Augenblicks sei zudem, dass er sich im Rechtsstreit mit Versicherungen und Gerichten befindet, da der Täter insolvent sei und die Versicherungen keine Schadensersatzzahlungen an ihn leisten wollen. Dies ist nach seinen eigenen Aussagen sehr zermürbend und kostet ihn sehr viel Kraft.

Mit seiner Initiative „first togetherness“ möchte Christoph Rickels Aufklärungsarbeit leisten. Er möchte Prävention betreiben und die Gesellschaft für ein neues gesellschaftliches MITEINANDER interessieren. Das WIR ist seiner Meinung nach der WEG zum Erfolg! Neben vielen Prominenten, die er mittlerweile auf verschiedenen Medienveranstaltungen kennen lernen durfte, hat er nun auch die Bediensteten und vor allem auch die Gefangenen der JVA Meppen mit seinem Vortrag erreicht und zum Nachdenken angeregt.
Artikel-Informationen

16.12.2017

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